Hypnose

Auszug aus einem Artikel über Hypnose in der Zeitschrift „bewusster leben“ in der Rubrik Gesundheit & Naturheilkunde

01 April 2009
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Das Unterbewusstsein irrt nicht und lügt nicht

Im Vorgespräch kann der Patient überprüfen, ob er den Therapeuten überhaupt sympathisch und vertrauenswürdig findet. Nun bleibt es aber nicht bei einem Gespräch. Genauso wichtig wie die Hypnose selbst sind die psychoanalytischen Gespräche. „Vor jeder weiteren Hypnosesitzung ist (deshalb) ein Gespräch notwendig“, meint Andrea Köster, Vorsitzende vom Hypnose-Verband Deutschland e.V. Wie lange das dauert, hängt dabei vom jeweiligen Redebedarf des Patienten ab. Auch für den Therapeuten ist es wichtig zu erfahren, was in der Zwischenzeit geschehen ist. Erst daraus ergibt sich das Ziel für die anschließende Hypnosesitzung. Am besten stimmt man sich übrigens im Vorwege über die Länge und das Ziel der Behandlung ab. Die DGH rät

„nach spätestens fünf Sitzungen den möglichen Erfolg der Behandlung aufgrund der bis dahin eingetretenen Veränderungen zu überprüfen.“

DGH

Die moderne Hypnotherapie betont die Individualität des einzelnen Patienten.

Sie strebt ein Patientenverhältnis auf Augenhöhe an. Das bedeutet, dass eine Hypnose nicht nach Schema F durchgeführt werden kann, sondern für jeden einzelnen Patienten der richtige Zugang und die passenden Techniken gefunden werden müssen. Diesen neuen Ansatz entwickelte Milton Erickson (1901 – 1980), der als Vater der modernen Hypnose gilt. Ihm ist es zu verdanken, dass Hypnose in der Psychotherapie wieder mehr zum Einsatz kam und sich die Einstellung gegenüber der Hypnose wandelte. Im Gegensatz zu dem früheren autoritären oder direktiveren Stil, der bis in die 50er und 60er Jahre vorherrschend war, wollte der amerikanische Psychiater Erickson mit seinen Methoden die begrenzte Fähigkeit des Bewusstseins erweitern, indem er seine starren Denkstrukturen lockerte. Zugleich wollte er das Unterbewusstsein anregen, selbst neue Lösungen zu finden. Letztlich ging es ihm darum, neue Ressourcen zur Selbstheilung zu erschließen und vorhandene verstärkt zu nutzen. Ein kluger moderner Hypnotherapeut überlässt dem Patienten die Interpretation der Geschichte und welche Bedeutung er der Suggestion gibt. Schließlich soll dieser selbst das Problem der Geschichte, die er erzählt bekommt, erkennen und eine eigene Lösung finden. […]

Im Prinzip ist jeder hypnotisierbar, der auch schlafen kann. Das Einzige, was einen Menschen daran hindern kann, in Trance zu verfallen, ist der eigene Wille und die Angst vor dem Zustand der Trance. Wenn ein Mensch also innerlich dazu bereit ist, hypnotisiert zu werden und auch keine Angst davor hat, kann er sehr schnell eine tiefe Hypnose erreichen. In Deutschland gibt es eine mindestens dreistellige Zahl an qualifizierten Therapeuten. Wichtigste Voraussetzung bei der Wahl eines Hypnotherapeuten ist, dass er eine Heilerlaubnis als Arzt, Heilpraktiker oder Psychotherapeut hat. Und ebenso bedeutsam ist natürlich, dass man seinem Therapeuten voll vertrauen kann. Wie man das feststellt? Am besten, indem man sich im allerersten Kontakt von seiner Intuition leiten lässt. Denn das Unterbewusstsein irrt ja nicht.



Über die Autorin

Andrea Köster ist die Präsidentin des Hypnose-Verbands Deutschland, Diplom-Psychologin und Therapeutin mit Praxis in Hamburg